Wiederherstellung testen: RTO, RPO und Restore-Tests mit Protokoll
Ob eine Datensicherung taugt, zeigt sich nur bei der Wiederherstellung. Maßstab sind zwei Kennzahlen: die Wiederanlaufzeit (RTO), also die Zeit bis ein Prozess wieder läuft, und der maximal tolerierbare Datenverlust (RPO), also der zeitliche Abstand zur letzten verwendbaren Sicherung. Regelmäßige, protokollierte Restore-Tests belegen, dass beide Werte erreicht werden.
- RTO und RPO werden je Geschäftsprozess festgelegt und aus der Business-Impact-Analyse abgeleitet.
- Art. 32 Abs. 1 lit. c DSGVO verlangt die Fähigkeit zur raschen Wiederherstellung, lit. d ein Verfahren zur regelmäßigen Überprüfung.
- ISO/IEC 27001 Anhang A 8.13 verlangt, Sicherungskopien regelmäßig zu testen.
- Ein Test ohne Protokoll ist im Audit kein Nachweis.
Was bedeuten RTO, RPO und MTPD?
| Kennzahl | Bedeutung | Frage an den Fachbereich |
|---|---|---|
| MTPD (maximal tolerierbare Ausfallzeit) | Zeit, nach der ein Ausfall nicht mehr hinnehmbare Folgen hat | Ab wann wird der Ausfall existenzbedrohend oder rechtlich problematisch? |
| RTO (Wiederanlaufzeit) | Zielzeit, in der der Prozess wieder in einem Mindestumfang läuft; muss unter der MTPD liegen | Bis wann muss der Prozess spätestens wieder laufen? |
| RPO (tolerierbarer Datenverlust) | Zeitpunkt, auf den Daten mindestens zurückgesetzt werden können | Wie viele Stunden Arbeit dürfen verloren gehen? |
Die Begriffe stammen aus dem Business Continuity Management (ISO 22301, BSI-Standard 200-4). Aus dem RPO folgt der Sicherungstakt, aus dem RTO die Wiederherstellungstechnik: Wer ein System in zwei Stunden zurück braucht, kommt mit einer Bandsicherung außer Haus allein nicht aus.
Welche Arten von Restore-Tests gibt es?
| Testart | Inhalt | Aussagekraft |
|---|---|---|
| Prüfung der Sicherungsprotokolle | Laufen alle Jobs, gibt es Fehler oder Lücken? | gering, nur Voraussetzung |
| Stichprobe einzelner Dateien oder Postfächer | Ausgewählte Objekte aus verschiedenen Generationen zurückholen | mittel, zeigt Lesbarkeit |
| Wiederherstellung eines Systems | Server, Datenbank oder Anwendung in einer Testumgebung vollständig wiederherstellen und Funktion prüfen | hoch, zeigt RTO für dieses System |
| Wiederanlauf eines Prozesses | Alle Systeme eines Prozesses in der festgelegten Reihenfolge wiederherstellen, Fachbereich prüft die Arbeitsfähigkeit | sehr hoch, zeigt RTO und RPO für den Prozess |
| Notfallübung | Szenario wie Ransomware oder Ausfall des Rechenzentrums mit Krisenstab, Kommunikation und Wiederanlauf | am höchsten, prüft auch Organisation und Entscheidungen |
Was gehört in ein Wiederherstellungsprotokoll?
- Datum, Uhrzeit, durchführende und prüfende Personen
- Getestetes System oder getesteter Prozess, Sicherungsgeneration und Speicherort
- Zielwerte (RTO, RPO) und erreichte Werte
- Prüfung der Funktion durch den Fachbereich, nicht nur durch die IT
- Abweichungen, Fehler und daraus abgeleitete Maßnahmen mit Verantwortlichen und Fristen
- Freigabe und Ablage, sodass das Protokoll im nächsten Audit auffindbar ist
Wie oft sollte die Wiederherstellung getestet werden?
Gesetz und Normen schreiben keinen festen Takt vor; Art. 32 Abs. 1 lit. d DSGVO spricht von einer regelmäßigen Überprüfung, ISO/IEC 27001 von regelmäßigen Tests nach der festgelegten Richtlinie. Der Takt sollte sich nach der Kritikalität richten und im Backup-Konzept stehen. Zusätzlich gehört ein Test nach jeder wesentlichen Änderung dazu, etwa nach einem Wechsel der Backup-Software, des Speichers oder des Dienstleisters.
Keine Rechtsberatung. Rechtsstand: 04.11.2026.